Der gläserne Spieler

by Dejan

Jetzt kann ich es ja sagen: Das auf dem Bild bin ich. Azra, Blutelfin und Jägerin, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Wälder, Wüsten, Gebirge, Städte und Höhlen des Planeten Azeroth zu durchstreifen, um gefährliche Abenteuer zu bestehen und finstere Gegner auszuschalten. Warum ich das hier schreibe? Weil es bald eh jeder weiß, der World of Warcraft spielt.

In Zeiten, in denen der Bürger immer gläserner und ein Monster namens ELENA von der Leine gelassen wird, geht ein wichtiges Unternehmen der Videospiele-Industrie mit schlechtem Beispiel voran. Blizzard, Erfinder von bedeutenden Titeln wie Diablo, Starcraft und eben World of Warcraft. Die Jungs sind auf die Idee gekommen, dass der Community-Faktor in ihren Online-Foren viel höher wäre, wenn dort die Beiträge der Spieler unter ihrem echten Vor- und Nachnamen veröffentlicht würden. Mag sein, dass dadurch das Trolling endlich aufhören würde, doch Blizzard hat mit diesem Vorpreschen einen Sturm der Entrüstung ausgelöst, der in dieser Form wohl einzigartig ist. Sogar der SPIEGEL, die BILD und IT-Seiten wie Golem und Heise berichten darüber.

Dass man die eigene Community in solchen Fällen besser nicht unterschätzen sollte, zeigte sich vor wenigen Tagen im amerikanischen Warcraft-Forum. Ein User fragte dort, ob die für die Foren zuständigen Moderatoren denn auch ihre echten Vor- und Nachnamen zeigen würden. Der Moderator Bashiok meldet sich daraufhin zu Wort und verkündete: „Yessir. Micah Whipple, at your service.“ Mit ungeahnten Folgen. Innerhalb weniger Minuten wurde im offiziellen Forum nicht nur die Anschrift, Telefonnummer und der Familienstand von Micah Whipple veröffentlicht, sondern auch Fotos seiner Frau, seiner Kinder, seine Facebook-Seite, seine Lieblingsmusik, Passagen aus seinem Lebenslauf, Details zu seiner Wohnsituation und sogar die Schule, in die seine Kinder gehen. Sämtliche Daten verschwanden nach kurzer Zeit, Micah Whipple löschte seine Facebook-Seite und ließ seine Telefonnummer sperren.

Es ist zu bezweifeln, dass sich Blizzard dadurch von seiner Idee abbringen lässt.

EDIT: Blizzard hat tatsächlich dem Druck der Community nachgegeben und nimmt den Klarnamenzwang zurück. Unglaublich.